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Die Problematik

Belastete Kindheit

Die Situation

Jedes vierte Kind in Deutschland wächst mit einem suchtkranken oder psychisch erkrankten Elternteil auf. Damit ist das Thema keine Ausnahme, sondern Teil unserer gesellschaftlichen Realität – in jeder Schulklasse, jeder Kita, jeder Nachbarschaft.

Für Kinder bedeutet das oft ein Leben mit Unsicherheit. Eltern können emotional nicht verlässlich erreichbar sein, stark schwanken, sich zurückziehen oder im Alltag überfordert sein. Kinder spüren sehr genau, wenn zu Hause etwas nicht stimmt. Viele passen sich an, übernehmen Verantwortung, vermeiden Streit oder versuchen, die Familie nach außen hin zusammenzuhalten.

Nach außen wirken viele dieser Kinder unauffällig. Innerlich tragen sie jedoch häufig Sorgen, Scham, Schuldgefühle oder Angst. Besonders belastend ist das Schweigen: Über Sucht und psychische Erkrankungen wird in vielen Familien kaum gesprochen. Kinder bleiben dadurch mit ihren Fragen allein.

 

Warum diese Kinder besonders gefährdet sind

Kinder aus sucht- oder psychisch belasteten Familien tragen ein erhöhtes Risiko, später selbst psychisch zu erkranken oder eine Suchterkrankung zu entwickeln. Dabei spielen verschiedene Faktoren zusammen: belastende Erfahrungen im Alltag, fehlende Sicherheit, frühe Verantwortungsübernahme, soziale Vorbilder in der Familie und auch genetische Veranlagungen.

Viele betroffene Kinder lernen früh, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Sie funktionieren, helfen, vermitteln oder schweigen. Manche entwickeln Schulprobleme, Rückzug, Wut, Konzentrationsschwierigkeiten oder ein geringes Selbstwertgefühl. Andere fallen gerade deshalb nicht auf, weil sie besonders angepasst und zuverlässig wirken.

Sucht und psychische Erkrankungen betreffen nie nur die erkrankte Person. Sie wirken auf das ganze Familiensystem – manchmal über Generationen hinweg. Deshalb ist es so wichtig, die Kinder früh in den Blick zu nehmen.

Was Kinder schützt

Die Situation dieser Kinder ist ernst – aber sie ist kein unabänderliches Schicksal. Kinder haben gute Chancen, sich gesund und selbstbestimmt zu entwickeln, wenn sie früh Unterstützung bekommen.

Schützend wirken vor allem verlässliche Beziehungen zu Erwachsenen, sichere Orte, kindgerechte Informationen und die Erfahrung: Ich bin nicht allein. Kinder brauchen Worte für das, was sie erleben. Sie müssen verstehen dürfen: Sucht und psychische Erkrankungen sind Krankheiten. Ich bin nicht schuld. Ich darf Hilfe bekommen.

In den Angeboten von MENSCHENKINDER erleben betroffene Kinder genau solche Schutzräume. Sie dürfen spielen, sprechen, fragen, schweigen, lachen und einfach Kind sein. Sie lernen, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, Verantwortung abzugeben und Vertrauen zu fassen – in sich selbst, in andere und in das Leben.

 

Zahlen und Fakten

In Deutschland leben rund 13,9 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Wenn jedes vierte Kind mit einem suchtkranken oder psychisch erkrankten Elternteil aufwächst, betrifft das bundesweit etwa 3,5 Millionen Kinder und Jugendliche. 

Auch in unserer Region ist das Thema überall präsent: Im Landkreis Reutlingen leben rund 52.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, im Landkreis Tübingen rund 40.000. Statistisch gesehen sind damit in beiden Landkreisen zusammen etwa 23.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Die Berechnung basiert auf aktuellen Bevölkerungszahlen und dem Anteil der unter 18-Jährigen in den Landkreisen. 

Diese Zahlen sind Schätzwerte – und eher vorsichtig zu verstehen. Denn Sucht und psychische Erkrankungen bleiben häufig unerkannt, und nicht jede betroffene Familie erscheint in einer Statistik. Sicher ist: In jeder Kindergartengruppe, jeder Schulklasse und in jedem Ort unserer Region gibt es Kinder, die mit dieser Belastung aufwachsen – oft, ohne dass man es ihnen ansieht.

 

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